Von Mitte bis Ende September gibt es beinahe jährlich eine schöne und beständige Hochdruckwetterlage über Mitteleuropa. Typisch sind zu dieser Zeit auch allmorgendliche Nebelfelder in den Niederungen von Gebirgen und Flüssen. Diese Hochdruckwetterlage kann von einigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen dauern, mitunter sogar bis in die ersten Oktoberwochen hineinreichen. Diese Schönwetterperiode, bekannt als ‘Altweibersommer’, ist in Wetterstatistiken bereits seit etwa 200 Jahren nachweisbar. Die altbewährten Bauernregeln kennen sie sogar schon seit mehreren Jahrhunderten.
Aber woher hat der Altweibersommer eigentlich seinen Namen? An klaren Tagen in den Monaten September und Oktober kühlt sich die Luft in den Nächten, die auf derlei schöne Tage folgen, so sehr ab, dass in den darauffolgenden Morgenstunden die Spinnweben durch den Tau deutlich erkennbar sind. Diese Spinnweben glänzen im frühen Sonnenlicht wie langes, silbergraues Haar. Früher glaubte man, dass ‘alte Weiber’ (damals noch kein Schimpfwort) diese Haarfäden beim Kämmen ihrer Haarpracht verloren hätten, was wiederum auf das Wirken der ‘Nornen’ (der alten Schicksalsgöttinnen, die die Lebensfäden sponnen) zurückzuführen sei. Die Legende besagte, dass Menschen, an denen derlei Spinnfäden hängen blieben, Glück widerfahren solle. Spätere Legenden wiederum berichten, dass die silbernen Fäden des Altweibersommers aus dem Mantel der biblischen Maria stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt getragen haben soll. Ob man nun an die germanischen Göttinnen bzw. die christlichen Legenden glauben mag oder lieber meteorologischen Erklärungen vertrauen will – der Altweibersommer lässt sich auch ohne Mystik und Spuk im Garten genießen. Diese Tage auch als fünfte Jahreszeit bekannte Zeitspanne ist häufig die einzige Form von Sommer, auf die man sich verlassen kann.
In Amerika tritt diese hierzulande als ‘Altweibersommer’ bezeichnete Schönwetterphase übrigens beinahe zur gleichen Zeit auf. Allerdings nennt sie sich dort ‘Indian Summer’ und ist vor allem berühmt für die farbenfrohe und prächtige Herbstfärbung von Laubbäumen. Auch hier hat der Name seinen eigenen Ursprung: Nach einer alten indianischen Legende symbolisiert das Rot der Laubbäume im Herbst das Blut eines erlegten Bären. In Finnland wiederum spricht man beim ‘Altweibersommer’ von ‘ruska-aika’ (Zeit der Braunfärbung), in Schweden vom ‘Birgitta-Sommer’. Als ‘Babie Lato’ ist das Phänomen wiederum in Polen bekannt, was übersetzt soviel wie ‘Weiber-Sommer’ bedeutet.